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Lektion 3 - Ernährungsgeschichte von Hund und Mensch

Die Ernährung von Mensch und Hund entwickelte sich über Jahrtausende hinweg in enger Wechselwirkung – ein Zusammenspiel aus Anpassung, Verfügbarkeit und Kulturgeschichte. Um die heutige Ernährung beider besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück: auf die Zeit, als der Wolf begann, dem Menschen zu folgen.

Vom Wolf zum Begleiter

Wann genau und auch wie die Domestizierung des Hundes begann, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Die mögliche Zeitspanne reicht von vor mindestens 15.000 Jahre bis über 100.000. Vermutlich begann alles in der späten Altsteinzeit, mögliches Szenario: als sich einige Wölfe den menschlichen Lagern näherten, fanden sie Abfälle, Knochen und Speisereste – eine sichere Nahrungsquelle ohne Jagdrisiko. Diese Nähe brachte Vorteile für beide Seiten.

Die Menschen profitierten von den wachsamen Tieren, die frühzeitig auf Gefahren aufmerksam machten, während die Wölfe leichter an Futter kamen. Über viele Generationen hinweg entwickelte sich daraus eine Partnerschaft, die auf gegenseitigem Nutzen beruhte.

Zu der Zeit, als die Domestikation begann, waren die Menschen (Homo Sapiens) auf jeden Fall noch Jäger und Sammler. Dieser Begriff ist allerdings sehr weit gefasst. Er besagt lediglich, dass die Menschen sowohl von gesammelten pflanzlichen als auch von erjagten tierischen Nahrungsmitteln lebten. Wie hoch dabei welcher Anteil war, konnte sich sehr stark nach Zeitraum und Region unterscheiden. Fest steht dabei vor allem, dass der Mensch sich zu Beginn der Domestikation des Hundes omnivor ernährte und dass er schon seit 300.000 Jahren oder sogar länger gekochte Nahrung nutzte.

Man kann die Ernährung der Jäger und Sammler als omnivor, opportunistisch und flexibel bezeichnen.

Was ist die Steinzeiternährung (Paleo)

Manche behaupten, die Paleo-Ernährung wäre die ursprünglichste Form der menschlichen Ernährung. Gemeint ist damit eine Ernährung, die sich aus in der Steinzeit vermeintlich verfügbaren Lebensmitteln zusammensetzen soll, wie Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Gemüse, Obst und Nüssen. Auf Kohlenhydrate wie Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker oder auch Milch und Milchprodukte wird dabei komplett verzichtet.

Wie oben schon beschrieben, gibt es aber gar nicht DIE Steinzeiternährung, denn die Zusammensetzung sowie auch die konkreten Bestandteile konnten je nach Region und selbstverständlich Jahreszeit stark variieren.

Kritisiert wird diese Form der Ernährung vor allem wegen dem hohen Verzehr tierischer Lebensmittel. Die Paleo-Ernährung wird vorzugsweise als eine Diät zum Abnehmen eingesetzt.

Als die Menschen sesshaft wurden ...

Mit der neolithischen Revolution vor rund 12.000 Jahren veränderte sich auch die Zusammensetzung der Nahrung. Nicht nur Getreide stand nun vermehrt auf dem Speiseplan. Insgesamt wurde die Ernährung reicher an Kohlenhydraten und ärmer an Vielfalt. Später stieg auch der Fleischanteil, aufgrund der Domestizierung der Nutztiere. Die Verwendung von Milchprodukten begann etwa vor 7.000-9.000 Jahren.

Die Hunde an der Seite des Menschen nahmen an dieser Ernährungsumstellung teil. Genetische Untersuchungen – etwa von Axelsson et al. (2013) – zeigen, dass Haushunde im Vergleich zu Wölfen eine deutlich höhere Zahl an Kopien des AMY2B-Gens besitzen. Dieses Gen kodiert das Enzym Amylase, das Stärke spaltet. Damit können Hunde stärkehaltige Nahrung, etwa aus Getreide oder Knollen, viel besser verwerten als ihre wilden Vorfahren. Auch die Entwicklung hin zu verbreiteter Laktosetoleranz machten die Hunde mit.

Während der Mensch lernte, Pflanzen zu kultivieren und Vorräte anzulegen, wurde der Hund vom weitgehenden Fleischfresser zum Allesfresser mit flexibler Verdauung. Die Ernährungsgeschichte beider Arten verlief parallel.

Mittelalter und Neuzeit: Der Hund als Resteverwerter

Die längste Zeit in der Mensch/Hund-Geschichte gab es kein "Hundefutter". Über Jahrhunderte hinweg fraßen Hunde einfach, was übrig blieb: Getreidebrei mit Milch, gekochte Gemüse, Innereien, Knochen oder Brot. In ärmeren Haushalten bestand die Nahrung oft überwiegend aus pflanzlichen Bestandteilen, ergänzt durch Reste aus der Küche oder vom Schlachtvieh. Wohlhabendere Familien gaben ihren Hunden mehr Innereien und andere Fleischabfälle . Oder es wurde eigens für die Hunde ein Hundebrot gebacken.

Hunde galten oft als Teil der häuslichen Gemeinschaft und wurden u. a. von Essensresten ernährt. Bauernhofhunde bekamen, was auf dem Hof anfiel und das war je nach Jahreszeit und Region unterschiedlich. Der bekannte Hundezüchter Otto Friedrich schrieb 1889 in seinem Buch Des edlen Hundes Aufzucht, Pflege, Dressur und Behandlung seiner Krankheiten:

„Wie der Mensch verschiedener Speisen bedarf, um verschiedenen Organen seines Körpers die nötige Ernährung zu bieten, so ist´s auch bei dem Hunde.“

Er empfahl, nicht zu große Mengen Fleisch zu füttern. Mehlsuppe, Brot getränkt in Fleischbrühe, Kartoffelmus, Reis, Graupen und Gemüse oder auch saure Milch waren damals übliche Nahrungsmittel für Hunde.

War das bedarfsdecken?

Diese Form der Ernährung war weder gezielt ausgewogen noch industriell hergestellt, aber sie war natürlich: Der Hund fraß das, was sein Umfeld hergab. Seine Verdauung blieb anpassungsfähig – ein evolutionärer Vorteil, der bis heute fortbesteht.

Der Wandel zur industriellen Fütterung

Erst im 19. Jahrhundert begann sich ein neues Verständnis von Tierernährung zu entwickeln. Mit der Industrialisierung, der wachsenden Bevölkerung und der zunehmenden Trennung von Mensch und Landwirtschaft entstand auch der Markt für Fertigfutter.

Das erste kommerzielle Hundefutter, ein hart gebackener „Dog Cake“, wurde vermutlich 1863 in England produziert und verkauft. Es bestand aus Getreide, Fleisch und Gemüse. Später kamen Konserven und Trockenfutter hinzu, die in den 1950er- und 1960er-Jahren den Markt dominierten. Bequemlichkeit und Werbung ersetzten Wissen und Erfahrung: Was früher intuitiv und situativ gefüttert wurde, wurde nun standardisiert, konserviert und portioniert.

Mit dieser Entwicklung entfernte sich die Ernährung des Hundes zunehmend von der des Menschen. Während sich Menschen frisch und gesund ernähren sollten, war das Tierfutter meist industriell verarbeitet – mit minderwertigen Rohstoffen und Zusätzen.

Zurück zu gemeinsamen Werten: Clean & vegetarisch

Heute rückt die Ernährung von Hund und Mensch wieder näher zusammen. Viele Halter möchten sich und ihre Tiere bewusster ernähren – mit natürlichen, frischen und nachhaltigen Lebensmitteln. Wer selbst vegetarisch oder flexitarisch lebt, überträgt diese Haltung oft auch auf den Hund. Die Gründe dafür sind meist ethischer oder ökologischer Natur, also der Wunsch nach mehr Tierwohl und Nachhaltigkeit. Seltener stehen gesundheitliche Aspekte im Vordergrund, etwa wenn ein Hund bestimmte tierische Eiweißquellen nicht verträgt oder an einer Futtermittelallergie leidet.

Die Verdauung des Hundes ist durch Jahrtausende der Anpassung an menschliche Nahrung sehr flexibel geblieben. Er kann entgegen verbreiteter und von der Futtermittelindustrie etablierter Meinung eine große Vielfalt an Lebensmitteln nutzen – Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Getreide, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Entscheidend ist die richtige Kombination und Ausgewogenheit.

Ausblick

👉Im nächsten Modul steigen wir in die Grundlagen der Ernährung von Menschen und Hunden ein. Wir blicken noch einmal auf die individuellen Entwicklungsgeschichten, sehen uns an, wie die Verdauung funktioniert und betrachten in der letzten Lektion einen sehr wertvollen Teil des Körpers von Mensch und Hund: die Darmflora.

Lektion 3 von 3



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